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Holcim Awards zeichnen beste nachhaltige Bauprojekte aus

Participants representing all 15 finalist projects were honored at the global Holcim Awards 2006 …
Participants representing all 15 finalist projects were honored at the global Holcim Awards 2006 ceremony

In Bangkok wurden erstmals die mit einer Million US-Dollar dotierten globalen Holcim Awards for Sustainable Construction überreicht. Den Holcim Award Gold für nachhaltige Bauprojekte teilen sich ein städtisches Integrationsprojekt in Caracas, Venezuela, und der Entwurf für den neuen Hauptbahnhof in Stuttgart, Deutschland.

Über 3'000 Projekte aus 118 Ländern wurden für den Wettbewerb eingereicht. Für die globalen Holcim Awards, die in Thailand verliehen wurden, waren 15 Finalisten qualifiziert – sie alle hatten bereits in einem von fünf regionalen Wettbewerben Preise gewonnen. Der globale Holcim Award Silber wurde für einen regionalen Masterplan zur Rekultivierung für das Mulini-Tal in der Nähe von Amalfi, Italien verliehen, der Holcim Award Bronze ging an ein ökonomisches städtebauliches und architektonisches Erneuerungsprojekt in Montreal, Kanada.

Die Holcim Awards wurden Ende 2004 von der Schweizer Holcim Foundation for Sustainable Construction lanciert. Die Stiftung arbeitet eng mit fünf weltweit führenden technischen Universitäten zusammen. Mit den Holcim Awards sollen innovative, nachhaltige Bauprojekte mit Vorbildcharakter ausgezeichnet und die Diskussion um das nachhaltige Bauen unter Architekten, Planern, Ingenieuren und Bauherren angeregt werden.

Höhepunkt eines dreijährigen Wettbewerbs

Die Verleihungszeremonie der globalen Holcim Awards in Bangkok markierte den Höhepunkt eines 3-jährigen Zyklus. An den regionalen Wettbewerben wurden im vergangen Jahr insgesamt 46 nachhaltige Bauprojekte mit einer Preissumme von 1,1 Millionen US-Dollar prämiert; im Vordergrund standen die Anerkennung und der Austausch herausragender Lösungen technologischer, ökologischer, sozioökonomischer und kultureller Herausforderungen im Bereich des nachhaltigen Bauens. Die Gewinner der fünf regionalen Holcim Awards Gold, Silber und Bronze waren automatisch für den globalen Wettbewerb qualifiziert.

Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung

An der ersten globalen Preisverleihung nahmen in Bangkok 700 Gäste aus 50 Ländern teil. In seiner Begrüssungsansprache betonte der Verwaltungsratspräsident von Holcim Ltd und Vorsitzender des Patronatskomitees der Holcim Foundation, Rolf Soiron (Schweiz), Fortschritt und nachhaltige Entwicklung seien mit dem Namen Holcim eng verbunden: "Mit der Holcim Foundation will sich der Holcim Konzern noch stärker am Bau einer nachhaltigen Zukunft beteiligen – und dabei von Innovationen lernen und gelungene Lösungen auszeichnen“.

Die Herausforderung der zunehmenden Verstädterung

Als Gastredner an der Verleihungszeremonie sprach Klaus Töpfer (Deutschland), ehemaliger Unter-Generalsekretär der Vereinten Nationen und Exekutivdirektor des UNO-Umweltprogramms (UNEP). In seinem Referat strich Töpfer heraus, dass die nachhaltige Entwicklung heute verstärkt auf die zunehmende Verstädterung fokussiert werden müsse. "Das soziale, ökologische und ökonomische Leben einer riesigen Bevölkerung wird vor allem durch die Dynamik und Kreativität der städtischen Entwicklung bestimmt“, sagte er und verwies darauf, dass städtische Zentren und Agglomerationen heute Herausforderungen stellten, auf die nachhaltige Antworten gefunden werden müssten.

Zweimal Gold für verschiedenartige Innovation

Vorsitzende der Jury der globalen Holcim Awards ist die Dekanin der School of Architecture and Planning am Massachusetts Institute of Technology (MIT), Adèle Naudé Santos (USA). Nachhaltiges Bauen sei von höchster Bedeutung für die andauernde Lebensfähigkeit der Gemeinschaften, führte sie aus: "Nachhaltigkeit hat weniger mit Gebäuden als mit Prozessen sowie Verhaltensweisen zu tun.“ Sie kündigte an, dass gleich zwei herausragende Finalisten gemeinsam den ersten Preis und je ein Preisgeld von 300'000 US-Dollar erhalten würden. "Obwohl die beiden Sieger-Projekte sehr unterschiedlich sind und Lösungen für spezifische Problemstellungen aufzeigen, stehen sie gleichwertig für die Bestrebungen der Holcim Awards.“

Beim ersten Projekt, das mit dem Holcim Award Gold 2006 ausgezeichnet wurde, handelt es sich um einen Plan zur Aufwertung der Barackensiedlung von San Rafael-Unido in Caracas, Venezuela. Das umfassende, ethische und umweltfreundliche Konzept verbessert die sozioökonomischen Lebensbedingungen der Bewohner. Dem Siegerteam von Proyectos Arqui 5 CA aus Caracas gehören Silvia Soonets, Isabel Cecilia Pocaterra, Maria Ines Pocaterra und Victor Gastier an.

Jury-Mitglied Kaarin Taipale (Finnland), Senior Visiting Fellow der CKIR Helsinki School of Economics, erklärte, das Projekt trete auf einfühlsame und sachkundige Art auf ökologische, kulturelle und kommunale Anforderungen ein. "Das städtische Integrationsprojekt steht nicht nur für lokalen Stolz und Einfallsreichtum, sondern ist auch ein ethisch aufgeschlossener und ökologisch vernünftiger Ansatz zur Minimierung extremer sozioökonomischer Not.“ Das Projekt zeige zudem auf, wie sich die natürliche und die gebaute Umwelt miteinander vereinigen liessen.

Das zweite Projekt, das mit dem Holcim Award Gold 2006 ausgezeichnet wurde, ist der Entwurf des neuen Hauptbahnhofs in Stuttgart von Christoph Ingenhoven, Ingenhoven und Partner Architekten, Düsseldorf.

Jury-Mitglied Enrique Norten (Mexiko), Inhaber von TEN Arquitectos Principal sowie Mitglied des Patronatskomitees der Holcim Foundation, lobte das Projekt wegen seiner stimulieren¬den Kraft, einem städtischen Zentrum neues Leben einzuhauchen. "Dieses Projekt nutzt auf zukunftsträchtige Weise Materialien, Strukturen und Wissen, um mit einem nach¬hal¬tigen Design städtischen Raum zurückzugewinnen", erläuterte Norten. Der neue Hauptbahnhof wird zwei städtische Quartiere, die bis anhin getrennt waren, miteinander verbinden, den sozialen Zusammenhalt fördern und neue Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten und Begegnungen zwischen den Altersgruppen eröffnen.

Silber und Bronze für transferierbare Erneuerungskonzepte

Der Holcim Award Silver 2006 ist mit 250’000 US-Dollar dotiert. Er ging an einen regionalen Masterplan für das Mulini-Tal in Italien. Durch Erhaltung und Innovation – statt durch umfassenden Ersatz – werden beim raffinierten Konzept die natürliche und die künstliche Umgebung auf ästhetisch ansprechende Weise miteinander kombiniert und so die ökonomischen Möglichkeiten des Tals verbessert. Das Projekt wurde von Luigi Centola, Centola & Associati, Rom, und Mariagiovanna Riitano von der Universität von Salerno, in Zusammenarbeit mit Partnern aus Italien, Spanien, den USA und Grossbritannien entwickelt.

Kommentiert wurde das Projekt von Ashok B. Lall aus Indien. Er ist Professor an der TVB School of Habitat Studies und Inhaber von Ashok B. Lall Architects. Das Jury-Mitglied bescheinigte dem Projekt, es verbessere die funktionellen Möglichkeiten bereits existierender Strukturen und erhalte sorgfältig die dazu gehörenden Qualitäten der Landschaft. "Das Projekt kombiniert elegant vielfältige Komponenten und stellt ein nützliches Modell für die langfristige Verbesserung von natürlichen und konstruierten Umwelten dar“, sagte Lall. Das Projekt demonstriere zudem Bewusstsein für die Entwicklung des Ortes und füge zeitgenössische Materialien und Technologien geschickt in historische Gebäude ein.

Der Holcim Award Bronze 2006 ging mit 150'000 US-Dollar an ein ökonomisches, städtebauliches und architektonisches Erneuerungsprojekt in Montreal, Kanada. Der gelungene Entwurf nutzt verschiedene nachhaltige Technologien für optimierte Bauleistung und -effizienz. Entworfen wurde das Projekt von einem Team unter der Leitung von Daniel Pearl, Mark Poddubiuk und Bernard Olivier von L’OEUF (L'Office de L'Eclectisme Urbain et Fonctionnel) in Montreal.

Präsentiert wurde das Projekt von Jury-Mitglied Olivia L. la O' Castillo (Philippinen), Vorsitzende und Präsidentin des Asia Pacific Roundtable for Sustainable Consumption and Production (APRSCP). Sie erklärte, das Projekt sei ökologisch und sozial verträglich sowie transferierbar. "Die integrierte Methode der Planung könnte auch für viele andere Projekte sinnvoll sein. Dies ist ein Referenzprojekt und eine Inspiration für ähnliche Vorhaben irgendwo auf der Welt“, erklärte Olivia L. la O’ Castillo. Das Projekt zeige auch modellhaft auf, wie Gemeinschaftsfinanzierungen erfolgen könnten.

Nachhaltiges Bauen bleibt im Mittelpunkt

Der Holcim-Awards-Wettbewerb, mit dem die Holcim Foundation vorbildliche Bauprojekte identifizieren und anerkennen will, ist eine von verschiedenen Aktivitäten der Stiftung. Markus Akermann (Schweiz), CEO von Holcim Ltd und Vorsitzender des Stiftungsrates, kündigte eine neue globale Initiative der Stiftung an: "Project Seed Funding“. Künftig werden auch Projekte und Forschungsaktivitäten im Bereich des nachhaltigen Bauens unterstützt. Akermann bestätigte, dass der Wettbewerb für die nächsten Holcim Awards Mitte 2007 starte; ab diesem Zeitpunkt können neue Projekte eingereicht werden, stellte Akermann in Aussicht.

Im nächsten April führt die Stiftung ein dreitätiges Holcim Forum zum Thema "urban transformation“ durch. Gastgeber der Tagung wird die Tongji Universität in Shanghai sein. Mit dem Forum will die Holcim Foundation den akademischen Diskurs über nachhaltiges Bauen fördern. Markus Akermann betonte, dass das rapide Anwachsen der städtischen Bevölkerung effiziente Lösungen und innovatives Denken verlange. "‘Urban transformation‘ stellt viele Fragen über das Wesen des Lebens in der Stadt – und fordert Entwürfe, die nicht nur im ökologischen, sondern auch im ökonomischen, sozialen und ästhetischen Bereich nachhaltig sind", sagte er.

Internationale technische Kompetenz für Holcim Awards und Jury

Die 15 Projekte, die für den Wettbewerb um die globalen Holcim Awards qualifiziert waren, wurden von einer unabhängigen 14-köpfigen Jury beurteilt. Ihr gehörten führende Architekten, Ingenieure und Universitätsprofessoren aus 10 Ländern an. Als Massstab dienten der Jury die fünf so genannten Target Issues, mit denen die Holcim Foundation nachhaltiges Bauen definiert und die von Umweltaspekten über die ästhetische Qualität bis zu hohen ethischen und ökonomischen Standards reichen. Die Target Issues definierte die Holcim Foundation in Zusammenarbeit mit ihren Partneruniversitäten in Europa (ETH Zürich, Schweiz), Asien-Pazifik (Tongji Shanghai, China), Nordamerika (MIT Cambridge, USA), Afrika/Mittlerer Osten (Wits Johannesburg, Südafrika) und Lateinamerika (USP São Paulo, Brasilien). 

Last Updated: April 25, 2006