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Auszeichnungen für nachhaltige Schweizer Architektur

Die Holcim Awards prämieren weltweit Projekte und Visionen, die Massstäbe beim nachhaltigen Bauen setzen. In Madrid sind zehn Wettbewerbspreise für Europa verliehen worden, darunter zwei aus der Schweiz. Die innovative und autark funktionierende Monte-Rosa-Hütte oberhalb von Zermatt gewann den Holcim Awards 2008 Bronze; das Projekt der ETH Zürich ist damit für den Wettbewerb um die globalen Preise qualifiziert.

Beim internationalen Holcim Awards Wettbewerb werden innovative Projekte und zukunftsweisende Konzepte in drei Kategorien auf regionaler und globaler Ebene ausgezeichnet. Der Wettbewerb will Architekten, Planer, Ingenieure und Projektträger dazu anspornen, bei ihrer Arbeit über herkömmliche Vorstellungen des nachhaltigen Bauens hinaus zu gehen und ökologische, gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Aspekte miteinander in Einklang zu bringen. Das Preisgeld für die Holcim Awards beträgt zwei Millionen US-Dollar.

Praxistaugliche Lösung auf knapp 3000 Metern über Meer

Der Holcim Awards Bronze für Europa ging in die Schweiz und zeichnet die Monte-Rosa-Hütte oberhalb von Zermatt aus. Der Ersatzbau einer alten SAC-Hütte ist eine Art Labor für nachhaltige Innovationen unter Extrembedingungen. Die Hütte funktioniert weitgehend autark; eine Fassade aus Solarpanelen produziert ausreichend Strom, die exakt auf die Nutzungszyklen abgestimmten Technologien sind in der schwierig zu erreichenden Lage auf maximale Stabilität ausgelegt. Entwickelt wurde das Projekt, dessen äussere Form an einen Bergkristall erinnert, von Studierenden der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH Zürich). Das “Monte-Rosa-Studio” ist zum 150-Jahr-Jubiläum der ETH ins Leben gerufen worden und wird von Architekturprofessor Andrea Deplazes geleitet. Die Hütte biete viele didaktische, pädagogische und wissenschaftliche Chancen, meinte Deplazes an der Preisverleihung: “Sie zeigt die realistischen Möglichkeiten auf, die wir heute haben. Funktioniert etwas unter Extrembedingungen, wie sie in völliger Abgeschiedenheit neben dem Monte-Rosa-Gletscher herrschen, dann funktioniert das erst recht im urbanen Umfeld.” Die sich bereits im Bau befindliche Hütte sei aber trotz ihres Vorbildcharakters keine Leistungsschau des nachhaltigen Bauens, betonte Deplazes: “Wir haben eine praxistaugliche Lösung gesucht und ein Gebäude konzipiert, in dem man sich wohl fühlen kann.”

Verwaltungsgebäude als Symbol der Nachhaltigkeit

Der Holcim Awards Gold 2008 ging an den Entwurf des neuen Regierungsviertels in Budapest. Der ungarische Architekt Peter Janesch konzipierte ein zwar riesiges, aber zurückhaltend wirkendes Gebäude, das nicht als Symbol der Macht, sondern als eines der Nachhaltigkeit verstanden werden will. Im energieeffizienten grünen Komplex, das auf einer Brache erstellt werden soll, finden die bisher über die ganze Stadt verstreuten ungarischen Ministerien Platz. Zum Entwurf gehört auch ein umfassendes Entwicklungskonzept für die umliegenden Quartiere; ökologische, soziale und ökonomische Aspekte werden dadurch in ein Gleichgewicht gebracht, wie die Jury für die Region Europa unter Vorsitz des Schweizer Architekten Harry Gugger befand. Gugger ist Partner bei Herzog & de Meuron (Basel) und Architektur-Professor an der Ecole Polytechnique Fédérale in Lausanne (EPFL).

Temporäre Strukturen auf einer früheren Mülldeponie

Der Holcim Award Silber 2008 für Europa ist einem Bauprojekt im slowenischen Maribor zugesprochen worden. Eine Gruppe spanischer Architekten unter der Leitung von Belinda Tato hat für die Alpenstadt ein neues Quartier auf einer ehemaligen Mülldeponie entworfen; inmitten einer künstlichen Landschaft soll ein lebendiger, multifunktionaler Stadtteil entstehen, der von den Anwohnern und Durchreisenden gleichermassen genutzt werden kann. Temporäre Strukturen und rezyklierbare, industriell vorgefertigte Wohnkomplexe lassen langfristig viel Flexibilität zu. Das Projekt unterstreiche, dass Nachhaltigkeit nicht unbedingt Dauerhaftigkeit bedeuten müsse, sondern nachfolgenden Generationen eine möglichst grosse Vielfalt an Möglichkeiten eröffnen will, ist dem Bericht der Jury zu entnehmen.

Zürcher bauen nachhaltig in Mailand

Ein weiterer in Madrid vergebener Preis ging ebenfalls in die Schweiz. In der nicht rangierten Kategorie “Acknowledgements” (Anerkennungspreise) wurden die Zürcher Hosoya Schaefer Architects für einen Bürokomplex in Mailand ausgezeichnet. Das Gebäude schmiegt sich rechteckig um einen zentralen Innenhof, der eine natürliche Ventilation der Räume ermöglicht. Dass der Innenhof der Öffentlichkeit zur Verfügung steht, macht ihn attraktiv und lebendig. Besonderer Wert wurde bei diesem Projekt auf das Innenklima gelegt, zu dessen Qualität auch Teiche und eine raffinierte Glasfassade beitragen. Hier zeige sich, dass nachhaltiges Bauen nicht nur eine Summe mehrerer Massnahmen sei, sondern integrierend wirken müsse, hielt die Jury fest.

Preise über ganz Europa verteilt

Die drei weiteren Anerkennungspreise gingen an ein Roma-Projekt in Serbien (Vladimir Macura), an den Entwurf eines günstigen Wohnkomplexes in Belgien (Weysen De Baere) und an ein Küsten-Rekultivierungsprogramm in Italien (Luigi Centola). Erstmals sind auch “Next Generation”-Preise vergeben worden; diese Kategorie zeichnet Visionen junger Berufsleute bis 35 Jahre aus. Die Architekturstudentin Semini Samarasinghe aus Sri Lanka gewann den ersten Preis für ihren Entwurf eines ökologischen Tee-Produktionsclusters in Grossbritannien. Der zweite Preis ging an Ana Castillo und Lieven De Groote in Mailand für das Projekt “Urban Nature”, bei dem leere städtische Flächen für Plantagen und Gewächshäuser genutzt werden. Den dritten Preis gewannen die Architekturstudenten Heikki Riitahuhta, Heikki Muntola and Mikko Jakonen aus Finnland für ein Biogas-Projekt, das einer ländlichen Gemeinde Autarkie verschafft.

Wettbewerb gewinnt an Bedeutung

Weltweit wurden für den zweiten Zyklus der Holcim Awards 4’774 Projekte eingereicht – das ist rund die Hälfte mehr als im ersten Zyklus vor drei Jahren. Die Projekte sollen in 121 Ländern realisiert werden, die Autoren stammen aus 90 Ländern. Alle qualifizierten Projekte wurden von unabhängigen Spezialisten sorgfältig geprüft. Neben dem Vorsitzenden Harry Gugger gehörten der Jury für Europa die Spanier Saverio Banchini und Luis Fernández-Galiano, die Britin Lucy Musgrave, der Schweizer Hans-Rudolf Schalcher, die Deutschen Klaus Sedlbauer und Klaus Töpfer, der Franzose Jean-Philippe Vassal sowie die Niederländerin Nathalie de Vries an. Bei der Beurteilung der Projekte hielten sich die Jury-Mitglieder an die fünf “Target Issues”. Diese detaillierten Kriterien für nachhaltiges Bauen hat die Holcim Foundation aufgestellt.

Die drei Hauptgewinner der regionalen Holcim Awards Europa sind automatisch für den Wettbewerb um die globalen Holcim Awards qualifiziert. Eine internationale Jury unter Vorsitz des indischen Architekten Charles Correa wird Anfang 2009 insgesamt 15 Projekte – drei aus jeder Weltregion – beurteilen und daraus die besten Eingaben identifizieren. Die globalen Holcim Awards werden im Mai 2009 verliehen.

Die unabhängige Holcim Foundation, eine Stiftung nach Schweizer Recht, wurde 2003 vom Baustoffkonzern Holcim ins Leben gerufen und richtet mit den Holcim Awards einen der weltweit bedeutendsten Bau-Wettbewerbe aus.

Holcim Awards Europe 2008

Die Gewinner

Für den aktuellen Holcim Awards Wettbewerb wurden weltweit fast 5000 Projekte eingereicht. Die Preisträgerinnen und Preisträger der Holcim Awards Europe 2008 sind:

Holcim Awards Gold 2008 Europe, dotiert mit 100'000 US-Dollar

Hauptautor: Peter Janesch, Architekt, Team0708, Budapest, Ungarn:
“Contextual government quarter development, Budapest, Hungary”

Holcim Awards Silver 2008 Europe, dotiert mit 50’000 US-Dollar

Hauptautor: Belinda Tato, Architektin, ecosistema urbano, Madrid, Spanien:
“Temporary urban extension in a former landfill, Maribor, Slovenia”

Holcim Awards Bronze 2008 Europe, 25’000 US-Dollar

Hauptautor: Andrea Deplazes, Architekt, ETH Zürich, Zürich, Schweiz:
“Autonomous alpine shelter, Monte Rosa hut, Switzerland”

Holcim Awards Acknowledgement prizes 2008 Europe, dotiert mit je 15’000 US-Dollar

In alphabetischer Reihenfolge nach Projektnamen:

“Culturally-responsive urban village, Belgrade, Serbia”;
Hauptautor: Vladimir Macura, Architekt, Belgrad, Serbien

“Low-cost residence on industrial site, Gent, Belgium”;
Autoren: Edward Weysen und Lore De Baere, Architekten, Weysen De Baere, Gent, Belgien

“Office building with green hypercore, Milan, Italy”;
Hauptautor: Hiromi Hosoya, Architektin, Hosoya Schaefer Architects AG, Zürich, Schweiz

“Waterfront reclamation and remediation, Southern Italy”;
Hauptautor: Luigi Centola, Architekt, Centola & Associati, Salerno, Italien

Holcim Awards “Next Generation” 1st prize 2008 Europe, dotiert mit 20’000 US-Dollar

“Production and ecological cluster, New Haven, UK”;
Autor: Semini Pabodha Samarasinghe, Studentin, Kandy, Sri Lanka

Holcim Awards “Next Generation” 2nd prize 2008 Europe, dotiert mit 10’000 US-Dollar

“Urban greening and economic catalyst, Madrid, Spain”;
Autoren: Ana Castillo und Lieven de Groote, Architekten, castillo de groote architects, Madrid, Spanien

Holcim Awards “Next Generation” 3rd prize 2008 Europe, dotiert mit 5000 US-Dollar

“Self-sufficient rural community, Paimio, Finland”;
Autoren: Heikki Johannes Riitahuhta, Heikki Muntola und Mikko Jakonen, Studenten, Oulu, Finnland

Die Jury der Holcim Awards 2008 Europe

Saverio Banchini, Ingenieur, Spanien
Luis Fernández-Galiano, Architekt, Spanien
Harry Gugger (Vorsitz), Architekt, Schweiz
Lucy Musgrave, Stadtplanerin, Grossbritannien
Hans-Rudolf Schalcher, Ingenieur, Schweiz
Klaus Sedlbauer, Bauphysiker, Deutschland
Klaus Töpfer, Ökonom/Politiker, Deutschland
Jean-Philippe Vassal, Architekt, Frankreich
Nathalie de Vries, Architektin, Niederlande

Holcim Foundation for Sustainable Construction

Lebensqualität und architektonische Leistungen fördern

Alles, was gebaut wird, prägt die Art, wie Menschen in Zukunft leben. Wie lassen sich Bauten verwirklichen, damit sie möglichst wenig Ressourcen verbrauchen und gleichzeitig die Lebensqualität nachhaltig verbessern?

Die 2003 gegründete Holcim Foundation for Sustainable Construction will das Bewusstsein der Fachleute und der Öffentlichkeit für die Bedeutung des nachhaltigen Bauens stärken. Das Bauwesen kann einen grossen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten, denn in entwickelten Ländern stehen rund 40 Prozent des Energieverbrauchs im Zusammenhang mit der gebauten Umwelt. Die Holcim Foundation vernetzt global vorhandenes Wissen und fördert eine Denkweise, die Nachhaltigkeit nicht nur als technische Herausforderung versteht, sondern auch zu architektonischen Spitzenleistungen und verbesserter Lebensqualität anspornen soll.

Die Stiftung arbeitet eng mit technischen Universitäten auf allen Kontinenten zusammen: Der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH Zürich), Schweiz, dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA, der Universidad Iberoamericana (UIA) in Mexiko City, der University of the Witwatersrand (Wits) in Johannesburg, Südafrika und der Tongji University (TJU) in Shanghai, China.

Gemeinsam mit diesen Hochschulen fördert die Holcim Foundation den akademischen Diskurs rund um die Förderung der Nachhaltigkeit im Bauen mit Fachpublikation sowie internationalen Konferenzen, den Holcim Foren. Die Universitäten unterstützen die Holcim Foundation auch bei der Vergabe der alle drei Jahre weltweit ausgeschriebenen Holcim Awards. Die Holcim Foundation fördert das nachhaltige Bauen zudem mit Anstossfinanzierungen für Bauprojekte und Subventionen für Forschungsarbeiten, den
Holcim Grants.

Die Holcim Foundation wird von Holcim unterstützt – einem der weltweit führenden Anbietern von Zement und Zuschlagstoffen (Schotter, Kies und Sand) einschliesslich weiterer Geschäftsaktivitäten wie Transportbeton und Asphalt inklusive Serviceleistungen. Der Konzern hält Mehrheits- und Minderheitsbeteiligungen in mehr als 70 Ländern auf allen Kontinenten.

Last Updated: September 26, 2008